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Musik für Spieluhren

Franz Tröger ist ein Spieluhrist. Genauer: ein Spezialist für die lochkartengesteuerte Spieluhr. Die hat ihre Geschichte: Ende des 18. Jahrhunderts ließen französische Textilfabrikanten ihre Webstühle mit einer neuen Technik ausstatten: gestanzte Lochkarten. Damit begann ein Siegeszug ohnegleichen, denn über die Entwicklung lochkartengesteuerter Rechenmaschinen führte der Weg direkt in unsere digitale Computerwelt. Aus dieser sind die Lochkarten allerdings verschwunden und haben Festplatten und Speicherchips Platz gemacht. Ein Refugium aber gibt es noch heute: die lochkartengesteuerten Spieluhren.

Als 1796 ein Genfer Uhrmacher die erste Spieluhr herstellte, diente eine mit Stahlstiften besetzte Walze als Speichermedium. Viel praktischer und preiswerter waren allerdings die Plattenspieluhren, die 100 Jahre später in den Handel kamen. Beides sind zwar nicht elektrische, aber doch digitale Speicherformen. Mit dem Siegeszug des Grammophons, also einer analogen Technik, war allerdings das Ende der Spieluhrwelt eingeläutet, die in die Kinderzimmer abgedrängt wurde. Erst mit den Computern und der CD kam das digitale Prinzip zurück in die Musik. An den Beginn aber erinnert die Lochkarten-Spieluhr mit ihrer doppelten Assoziationsfähigkeit: historisch mit der Geschichte der Musikmedien, und persönlich mit der eigenen Kindheit des Hörers.

Franz Tröger holt dieses Instrument aus dem Kinderzimmern auf die Bühne. Er ist Europas konsequentester Spieluhrkomponist und schreibt seit Jahrzehnten für das Instrument.